Junggesellenabschied

"Ein letztes Mal Freiheit und Freunde" - das etwas übertriebene Motto für den Junggesellenabschied ein paar Tage vor der Hochzeit dient in der Regel dazu, das übermütige und ausgelassene Auftreten der jungen Männer in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Denn es geht um das öffentliche Feiern, derbe Streiche und freche Spiele, die nicht unbedingt jedermanns Sache sind.
In den dörflichen Gegenden hat diese Sitte Tradition und gehört im Allgemeinen sogar zu den Bräuchen, die mit der Hochzeit direkt zusammenhängen. Die mannigfaltige Ausprägung und Übernahme in den urbanen Raum verdanken wir den Engländern bzw. deren bekannt eigenwilligem Humor. Mit der Industrialisierung bereits ab dem 18. Jahrhundert zogen viele junge Männer in die Städte, wo die ländlichen Bräuche in abgewandelter Form weitergeführt wurden. Der Junggesellenabschied war nun kein Ereignis innerhalb einer dörflichen Gemeinschaft mehr, in der jeder jeden kannte, sondern ein Ereignis in einer fremden Umgebung, für das man Verständnis brauchte. Deswegen dekorierten sich die Feiergesellschaften auffällig, legten obskure Bekleidungen an und führte Fahnen mit sich, um auch schnell als Spaß wahrgenommen zu werden.

Dieser Brauch, beim Junggesellenabschied mit den Freunden „um die Häuser zu ziehen“, lebt wieder auf. Aber heute sind die Mittel vielfältiger. Natürlich kann man sich immer noch viel zu große Gehröcke anziehen oder Ungetüme von Hüten aufsetzen. Aber mit bedruckten T-Shirts, die witzige Sprüche oder Karikaturen tragen, ist man schnell als besondere Feiergesellschaft zu erkennen und lockt das Schmunzeln der Passanten hervor.
Denn das ist auch wirklich notwendig, sollen z.B. Aufgaben, die dem Bräutigam an diesem Abend übertragen werden, erfolgreich gelöst werden. Allein das äußerst beliebte "Spenden sammeln für Getränke" bedarf natürlich der Gutwilligkeit der Leute, die angesprochen werden. Nicht jeder Heiratswillige ist auch ein Kommunikationstalent, und so können lustige Accessoires durchaus helfen, eine positive Stimmung für das Anliegen zu erzeugen.
Wer nicht ganz so an die eigene Überzeugungskraft glaubt, behilft sich gern mit einer Tombola, bei der jedes Los gewinnt, oder einem Bauchladen, der den Spendern das Gefühl eines Gegenwertes vermittelt. Dazu sammelt man vom eigenen Dachboden und bei den Freunden kleine, möglichst originelle Dinge ein, die dann als Rarität angepriesen und auf der Straße und in Lokalen verkauft werden.
Ganz Mutige können natürlich auch Küsse verkaufen, natürlich möglichst an Damen. Hier kann man den Ertrag erheblich steigern, in dem die Feiergesellschaft auf den Erfolg oder Misserfolg des Vorhabens wettet.
Wichtig ist in jedem Falle, dass der Junggesellenabschied eine fröhlich Atmosphäre ausstrahlt und nicht zu derb daher kommt.